Männer und Frauen, die Mumm haben (müssen)

Beschäftigen wir uns heute mit einem gesellschaftlichen Dauerthema – mit einem Minderheiten-Thema. Die Minderheit, die ich meine, wurde mit ihren Rechten in Gesetzen verankert. Ihr gehören einige Hunderttausend an, meist Männer, leider zu wenige Frauen. Wie viele dieser Minderheit tatsächlich angehören, weiß keiner. Man schätzt, wie erwähnt, einige Hunderttausend. Sozial- und wirtschaftspolitisch gesehen, gehört diese Minderheit seit über 100 Jahren zum „Bestand“, sie ist sozusagen Teil der DNA unserer Republik. Keine Ahnung, über wen und was ich schreibe?

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Unfairer Energiemarkt – Städte als Hoffnungsträger

Screenshot: Website REN21. Renewables now

Die grüne Revolution nach Covid-19 blieb aus. Aber es gibt Hoffnung – eine wichtige Rolle dabei spielen Städte. Nach den ersten Lockdowns versprachen Politiker weltweit, die Covid-Krise zu nutzen, um grüne Technologien nach vorne zu bringen. Das Ergebnis ist ernüchternd. Zwei Jahre später ist klar: «Build Back Better» ist gescheitert. Aber nicht überall. Das resümiert die Organisation REN21 (Renewable Energy Policy Network for the 21st Century), der mehr als 80 nationale und internationale Organisationen, Industrieverbände, Regierungen, Nichtregierungsorganisationen und Hochschulen angehören, in ihrem Jahresbericht.

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Fakeanrufe, Kuckuckszitate und andere Als obs  

Intromusik: terrasound.de

Mache dir nichts vor, aber den anderen umso mehr, scheint das Erfolgsrezept für digitale Zeiten zu sein. Die vielen Fakes, die tatsächlichen und die vermuteten Als obs machen das Leben anstrengend. Immer muss man zwei Mal hinschauen und kann sich nie sicher sein, ob das Misstrauen zu groß oder das Vertrauen zu naiv ist.

Geschrieben und gesprochen von Joe Kerr

Weitere Folgen von ‘Auch das noch!‘ zum Hören gibt es hier, wer nachlesen möchte, findet hier einen monatlichen Rückblick.

Wenn nur die (obere) Hälfte zur Wahl geht — kein Thema

Erschreckend wenige BürgerInnen gehen zur Wahl; und das in Zeiten von Klimakatastrophe, Seuchen und (Informations-)Kriegen mit Diktaturen, in denen es also um mehr als Peanuts geht. Ob in Frankreich bei der zweiten Runde der Parlamentswahl oder in Nordrhein-Westfalen bei der jüngsten Landtagswahl — mal gingen etwas mehr und mal etwas weniger als 50 Prozent an die Urne. Kein Zufall: Das Ruhrgebiet nennt der Paritätische Gesamtverband in seinem jüngsten Armutsbericht die »armutspolitische Problemregion Nummer eins«. In der Mainstream-Öffentlichkeit und in der politischen Klasse wird die Wahlverweigerung in beiden Ländern kurz registriert, mit Bedauern abgenickt, niemand scheint sich zu sorgen. Es wird kein Thema. Obwohl damit das System der Repräsentation sogar in halbwegs funktionierenden Demokratien wie Frankreich und Deutschland in eine brisante Schräglage abrutscht: Denn zuverlässig gehen die oberen Schichten deutlich mehr wählen denn die unteren.

Screenshot: Website Paritätische Gesamtverband
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Müssiggang ist keine Sünde und Produktivität keine Tugend

Foto: Paul Sableman auf wikimedia commons

Mit dem 50. Jahrestag der Publikation des ersten Berichts des Club of Rome flammte im Frühling die alte Wachstumsdebatte wieder kurz auf. Meist rechthaberisch geführt, unergiebig, ohne den überfälligen Blick auf global gerechte «Degrowth»-Alternativen. Es ist geradezu absurd, dass in unseren Breiten ein halbes Jahrhundert nach «Grenzen des Wachstums» und einer Kaskade katastrophaler ökologischer Berichte jede Delle bei den ökonomischen Steigerungsraten als negativ, ja dramatisch wahrgenommen wird. Sofort stützen, wieder ankurbeln, da scheinen sich Politik wie Medien einig. Darum müssen wir diese im Kern irrationale Diskussion weiter führen: Expansion ohne Ende geht nicht.

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Was der Sprachgebrauch über Nachhaltigkeit verrät

Im Sprachgebrauch wird immer wieder der Begriff „Nachhaltigkeit“ in Verbindung mit einem Attribut verwendet: So wird von ökologischer Nachhaltigkeit, wirtschaftlicher Nachhaltigkeit, digitaler Nachhaltigkeit, sozialer Nachhaltigkeit etc. gesprochen.
Dieser Sprachgebrauch entspricht allerdings nicht dem Leitgedanken und dem Nachhaltigkeitsverständnis der Agenda 2030 „Transformation unserer Welt: die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ und verunklart das, worum es bei Nachhaltigkeit heute geht und gehen muss.
Ein Attribut ist wie ein Vorzeichen, wie ein Zeichen vor der Klammer. Das Attribut „regiert“ den Sachverhalt, indem es die Bedeutung des Sachverhaltes entsprechend seiner eigenen Bedeutung einordnet und damit nachordnet.
Bei der Wortverbindung „wirtschaftliche Nachhaltigkeit“ z. B – Entsprechendes gilt für alle anderen „Attribut+Nachhaltigkeit“- Wortverbindungen – regiert das Wirtschaftliche die Nachhaltigkeit, d.h. die Nachhaltigkeit wird in die Wirtschaft eingeordnet und damit nachgeordnet. Was in der Wortverbindung „wirtschaftliche Nachhaltigkeit“ „Nachhaltigkeit“ bedeutet, wird von der Wirtschaft bzw. Wirtschaftlichkeit her bestimmt, nicht von der Nachhaltigkeit.
Diese Nach- bzw. Unterordnung der Nachhaltigkeit unter die Wirtschaft steht indes im Widerspruch zum systemischen Verständnis der Agenda 2030, in dem die Nachhaltigkeit vom Ende her gedacht letztlich den stabilen Zustand des „Mensch-Planeten-Systems beschreibt. In der Agenda 2030 ist die Nachhaltigkeit das Umfassende gegenüber allen Teilbereichen menschlicher Aktivitäten im Mensch-Planeten-System, es ist das übergeordnete Prinzip, das als Vorzeichen vor allen menschlichen Aktivitäten steht und stehen muss, wenn das Mensch-Planeten-System einen Fortbestand haben soll. Richtig im Sinne der Agenda 2030 muss es daher, um ein anderes Beispiel anzuführen, “nachhaltige Digitalisierung” heißen, weil damit die Digitalisierung in Richtung Nachhaltigkeit geleitet wird.
Wenn wir heute über Nachhaltigkeit mit dem Anspruch, auf der Höhe der Zeit zu sein, reden wollen, sollten wir daher nicht hinter dem umfassenden und ganzheitlichen Nachhaltigkeitsverständnis der Agenda 2030 zurückbleiben, das letztlich von allen menschlichen Aktivitäten die Ausrichtung auf die nachhaltige Entwicklung verlangt.

Billy’s got a gun

Intromusik: terrasound.de

Ob jemand nach seinem Handy greift oder eine Pistole zieht – in Manhattan soll in Zukunft beides gleichermaßen möglich sein. Rechte Richter haben Staat und Stadt New York dem Wilden Westen ein Stück näher gebracht; und einen Tag später den amerikanischen Frauen das Grundrecht auf Abtreibung gestohlen. „Was seid ihr für Menschen? Was für Götter? Was für Statussymbole? Dicke Autos, ‘n paar Nutten, Automatikpistole“, singt „Fettes Brot“ über Trump & Co.

Geschrieben und gesprochen von Joe Kerr

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Eine Abrüstungskonferenz mitten im Aufrüstungstrend

Nicht erst seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine vor vier Monaten stehen die Zeichen auf atomare und konventionelle Aufrüstung. Insbesondere in Europa, USA , Russland und China. Das belegen die jährlichen Berichte des Stockholmer Internationalen Friedensforschungs-Instituts (SIPRI). Ganz gegen diesen Aufrüstungstrend stand während dreier Tage (21.-23. Juni 2020) in Wien die erste Konferenz von inzwischen 86 Unterzeichnerstaaten des UNO-Abkommens zum vollständigen, weltweiten Verbot atomarer Waffen (Treaty for the prohibition of nuclear weapons, TPNW).

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Charles Cunningham Boycott und die Macht der Verbraucher:innen

Bild: Gordon Johnson auf Pixabay

Zuerst einmal: Verbraucher:innen können nicht streiken. Sie könnten sich höchstens dagegen wehren, als solche tituliert und somit zu einer Schrumpfform menschlicher Existenz herabgewürdigt zu werden. Verbrauchen tun wir alle. Darin liegt die Albernheit der Beschreibung. Trotzdem ließe sich sagen, dass große Menschengruppen, die sich weigern, das eine oder andere auch fürderhin zu kaufen und zu verbrauchen, eine Art Streik durchführen. Im digitalen Zeitalter kann dies auch weitaus einfacher als früher zu einer machtvollen Ansage werden, die Unternehmen zwingt, Änderungen vorzunehmen, zum Beispiel im Umgang mit ihren Mitarbeitenden oder an der Produktpalette.

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Es braucht auch Streiks, damit Solidarität entsteht

Streik der Gorillas-Riders in Berlin im Juni 2021. Gorillas Operations Germany GmbH & Co KG ist ein 2020 in Berlin gegründeter Lieferdienst für Lebensmittel und andere Supermarktwaren in Großstädten. (Foto: FAU Berlin auf Wikimedia commons)

Als Dienstbotin uniformiert, wird selbst eine Staatsfeindin unsichtbar. In der Kleidung eines oder einer Lieferdienst-Kurierfahrer:in entkam Pussy-Riot Aktivistin Maria Aljochina Anfang Mai den Sicherheitskräften, die ihren Hausarrest in Moskau seit Monaten überwachen. Nun ist sie in Berlin. Eine jener Metropolen, wo die modernen Dienstbot:innen seit einiger Zeit ihre Unsichtbarkeit beenden. Die Arbeitskämpfe bei den Lebensmittel-und Mahlzeiten-Fahrdiensten – die Tierbezeichnungen als Unternehmensnamen besonders originell zu finden scheinen – sorgen für Unruhe. Im Management, weil das mit teuren Werbekampagnen gepflegte Unternehmensimage Schaden nimmt, Börsenkurse fallen und Investitionen, diese scheuen Rehe, anderswo getätigt werden.

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Kirche und Gewerkschaft: Möge die Macht mit uns sein  

Intromusik: terrasound.de

Wie die Macht schmeckt, hängt davon ab, ob man sie oben ausleben kann oder unten zu spüren bekommt. Gewerkschafts- und Kirchenführer stabilisieren die Macht des Kreml. Sie teilen Putins Glaubensbekenntnis, im ewigen Kampf des Guten gegen das Böse (seinen Mann) zu stehen. Für den Moskauer Patriarchen Kyrill I., der als fiktive Figur jeden Roman und jedes Filmformat sprengen würde, zeigt sich die Dekadenz des Westens in Schwulenparaden, gleichberechtigten Frauen und dem Internet, mit dem er den Antichristen heraufziehen sieht.

Geschrieben und gesprochen von Joe Kerr

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Atomare Propaganda 2022

Das Militärische und das Nukleare liegen näher beieinander, als man während eines halben Jahrhunderts ziviler Nutzung von Atomkraft in Deutschland geglaubt hat. Jetzt dient Putins Krieg gegen die Ukraine als Argument für ein Comeback der Atomenergie – und als Alibi, „das Undenkbare“ ins Gespräch zu bringen.

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay
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«Alles fällt auseinander. Wegen Putins Aggression!»

Kirill Buketow (Foto: Global Labour Institute)

Er ist Russe und arbeitet als Gewerkschafter in Genf. Nach dem Ende der Sowjetunion beteiligte sich Kirill Buketow (52) am Aufbau unabhängiger Gewerkschaften in Russland. Da war Aufbruchsstimmung und Hoffnung. Doch jetzt sagt er: «Alle zivilisatorischen Errungenschaften brechen zusammen.»
Jonas Komposch, Redakteur der Gewerkschaftszeitung work, sprach mit ihm. Das Interview erschien am 14. April in work, der Zeitung der (größten) Schweizer Gewerkschaft Unia.

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Von Diplomatie ist nicht mal mehr die Rede

Bild: Terranaut auf Pixabay

Eine diplomatisch ausgehandelte Beendigung des Krieges in der Ukraine, die einst möglich schien, rückt immer weiter in die Ferne. Im Gegenteil: Die Fronten verhärten sich weiter – aus mehreren Gründen. Der Krieg gegen die Ukraine lässt sich nur durch eine zwischen Moskau und Kyjiw ausgehandelte Vereinbarung beenden. So lautet seit über drei Monaten das übereinstimmende Postulat der meisten Politiker:innen, Medien und Konfliktforschenden. Jedoch sind die Perspektiven für solche Verhandlungen derzeit ausgesprochen düster.

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