
1966, Union und SPD sind auf dem Weg in eine Große Koalition, veröffentlicht der Philosoph Karl Jaspers „Wohin treibt die Bundesrepublik?“ Er warnt in dem Buch vor einem autoritären Staat und appelliert, die Demokratie zu schützen. Drei Jahre später prägt der erste bundesdeutsche sozialdemokratische Kanzler „Wir wollen mehr Demokratie wagen“ als geflügeltes Wort und leitet eine Periode innenpolitischer Reformen und europäischer Entspannungspolitik ein.
Wohin treibt Deutschland 2026? In Richtung einer pathologischen Konstellation? Wir verstehen darunter den Verlust der Fähigkeit, sich über die klassische Alltagsfrage „Was geht hier eigentlich vor?“ (Goffman, 1980, S. 16) zu verständigen. Gemeint sind gar nicht Lösungen; gemeint ist die Möglichkeit, überhaupt erst einmal Problemlagen anzuerkennen. Wenn die Fakten der einen die Fakes der anderen sind, wenn Realitätsbeschreibungen als Verschwörungserzählungen gelten und umgekehrt, wenn über sachliche Zusammenhänge zwischen Ursachen und Folgen Verwirrung nicht nur herrscht, sondern interessengesteuert mit der Strategie „flood the zone with shit“ auch gestiftet wird, dann kann von einer pathologischen Drift gesprochen werden – und die Politik mittendrin. Was geht hier eigentlich vor?












