
Vor 70 Jahren erstreikten die Beschäftigten der Metallindustrie Schleswig-Holsteins in einem historisch langen Arbeitskampf, vom Oktober 1956 bis Februar 1957, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall für die Arbeiterschaft dieses Tarifgebietes. Was für die Angestellten selbstverständlich war, sollte auch für die Arbeiter gelten. Erst mehr als ein Jahrzehnt später hat der Gesetzgeber diese Entwicklung nachvollzogen und von da an erhielten alle Arbeiterinnen und Arbeit bei Krankheit für sechs Wochen den vollen Lohn weiterbezahlt. Helmut Kohl biss sich mit seinem Versuch in den 1990er Jahren, Karenztage für die Lohnfortzahlung wieder einzuführen, die Zähne aus. Zu hunderttausenden protestierten die Beschäftigten in der Metallindustrie damals gegen diese Pläne und die IG Metall signalisierte Kampfbereitschaft. Das Ergebnis ist bekannt: Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall hat Bestand. Warum, so ist zu fragen, agieren die Gewerkschaften heute so defensiv, wenn der Acht-Stundentag in Frage gestellt und der Gesetzgeber Krankschreibungen vom ersten Krankheitstag an vorschreiben will?
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