Warum agieren deutsche Gewerkschaften so defensiv

„Lasst uns am 5. November unsere Stimmen erheben!“ ruft Frankreichs größte Gewerkschaft auf, die Confédération française démocratique du travail (Screenshot: CFDT)

Vor 70 Jahren erstreikten die Beschäftigten der Metallindustrie Schleswig-Holsteins in einem historisch langen Arbeitskampf, vom Oktober 1956 bis Februar 1957, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall für die Arbeiterschaft dieses Tarifgebietes. Was für die Angestellten selbstverständlich war, sollte auch für die Arbeiter gelten. Erst mehr als ein Jahrzehnt später hat der Gesetzgeber diese Entwicklung nachvollzogen und von da an erhielten alle Arbeiterinnen und Arbeit bei Krankheit für sechs Wochen den vollen Lohn weiterbezahlt. Helmut Kohl biss sich mit seinem Versuch in den 1990er Jahren, Karenztage für die Lohnfortzahlung wieder einzuführen, die Zähne aus. Zu hunderttausenden protestierten die Beschäftigten in der Metallindustrie damals gegen diese Pläne und die IG Metall signalisierte Kampfbereitschaft. Das Ergebnis ist bekannt: Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall hat Bestand. Warum, so ist zu fragen, agieren die Gewerkschaften heute so defensiv, wenn der Acht-Stundentag in Frage gestellt und der Gesetzgeber Krankschreibungen vom ersten Krankheitstag an vorschreiben will?

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Eine Niederlage für die Geschichtsbücher

Bild:‘  John Tyson auf Unsplash

Was gibt es an ihm auszusetzen? An einem Präsidenten, der mit seinem Kumpel Benjamin Netanjahu einen Krieg ohne soliden Plan beginnt. Der sich mit autokratischen Diktatoren verbündet und gemeinsam mit seinem Kumpel Elon Musk die Drohnenabwehr eines Landes im Demokratisierungsprozess zerstört. Einem Präsidenten, der sich mit den libertären Silicon-Valley-Größen zusammentut, deren Machenschaften die Korruption der schlimmsten Regimes der Welt in den Schatten stellen. Der seine Macht nur in sich selbst sieht. Der das Justizministerium und das FBI für seine kranken Rachefantasien instrumentalisiert. Einem Präsidenten, der über die Bezahlbarkeit von Wohnraum scherzt und Lügen über die Folgen seiner Politik verbreitet. Der die akademische Forschungskapazität des Landes bewusst zerstört und die Forschung politisch kontrolliert. Der den CO₂-Fußabdruck des Landes absichtlich erhöht, weil der Klimawandel ein Schwindel sei. Einem Präsidenten, der das multilaterale System zerstört, das unter der aktiven und kritischen Führung der USA ins Leben gerufen worden ist. Der die schlimmsten Impfgegner-Maßnahmen der jüngeren US-Geschichte unterzeichnet. Der seine Kritiker mit einer Strategie der massenhaften Einschüchterung überzieht. Der die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs unter dem sehr konservativen Vorsitzenden John Roberts zur Exekutivgewalt und zur Straffreiheit maximal zu seinem Vorteil nutzt.

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Energie und Demokratie – der nächste Erfolg ist zum Greifen nah


Am 6. Oktober 2026 hat das überparteiliche Bündnis „Nein zu neuen AKW“ 131.793 Unterschriften bei der Schweizer Bundeskanzlei in Bern eingereicht.
Für das Referendum gegen die Aufhebung des AKW-Neubauverbots wären nur 50.000 nötig gewesen.

Wir dürfen das Feiern nicht vergessen! Auch die Etappensiege wollen wir feiern! Diese Kräfte-freisetzende Ansage prägte der Landarzt Dr. Michael Sladek (1946 –2024), Mitbegründer der als Stromrebellen bekannt gewordenen, bürgereigenen Elektrizitätswerke Schönau. Und genau darum geht’s hier. Denn der nächste Etappensieg ist zum Greifen nah und hat unmittelbare Wirkung, über die Grenzen hinweg. „Hunderteinunddrießigtusigsiebenhunderdrieundnünzig!“ jubelten die Aktivist:innen eines breiten Bündnisses, das sich in der Schweiz vehement dagegen stemmt, dass eine kleine, finanzkräftige ‚Blackout-Initiative‘ das bestehende AKW-Neubau-Verbot kippt. 131.793 Unterschriften hatten Hunderte Freiwillige in nur drei Monaten gesammelt, um ein Referendum zu ermöglichen, das den Bestand des AKW-Neubau-Verbots sichert.

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USA: Bestenfalls Anhörungen und Stillstand?

Screenshot: Website Deutsch-Amerikanisches Zentrum (DAZ)

„Die US-Wähler:innen stecken momentan in einer Zwickmühle. Sie können zwar verändern, wer regiert, aber kaum, was die Regierung tut. Wahlen verschaffen ihnen nach wie vor die Genugtuung, unbeliebte Politiker:innen zum Teufel zu jagen. Doch echten politischen Wandel, der auf ihre Bedürfnisse eingeht, können die Wähler:innen zumindest bei diesen Wahlen kaum bewirken.“ Anja Bossow und Moritz Schramm analysieren auf dem Verfassungsblog „Die Grenzen einer BlueWave„. US-Bundesstaaten, die dauerhaft oder überwiegend von Republikanern gewonnen werden, heißen Red States (Beispiel: Texas), Bundesstaaten der Demokraten Blue States (Beispiel: New York). Umkämpfte Wechselwahlstaaten werden oft als Swing States oder Purple States bezeichnet. bruchstücke dokumentiert die Analyse.

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“Feindbild Frau”

Digitale Anfeindungen sind in jüngster Zeit auch im politischen Umfeld zum Problem geworden. Die Kommunikation zwischen Abgeordneten und Wahlvolk, zwischen Regierenden und Regierten hat sich durch das Internet verändert, leider meist nicht zum Besseren: Unabhängig von ihrer Geschlechtszugehörigkeit werden Abgeordnete im Netz beleidigt und bedroht. Weibliche Parlamentarierinnen sind dabei besonders drastisch mit Hass konfrontiert. Zu einem exponierten Beispiel wurde schon früh die grüne Ex-Ministerin Renate Künast. Wegen ständiger, gegen ihre Person gerichteter Online-Angriffe verklagte sie die Urheber – und bekam in letzter Instanz vor dem Bundesverfassungsgericht Recht.

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Frankfurter Stimmungsbild

Screenshot: FFH auf Instagram

Samstag, 31. 10. 2026, 14.00 Uhr Auf dem Gelände der Weseler Werft am östlichen Mainufer von Frankfurt (im Angesicht der EZB-Bank) sammeln sich langsam, langsam Jugendliche und viele ältere Menschen. Die Jugendlichen häufig mit selbstgebastelten Pappschildern, die (für die Beobachterin überraschend) vielen Älteren mit roten Fahnen von der Linken über die SDAJ und trotzkistische Grüppchen. Totenkopffahnen werden geschwenkt und Palästinafahnen. Auf einem Podest liest eine Aktivistin die Forderungen vor: Themen aus der Schule, der Ausbildung in Lehre oder Studium kommen vor, aber gehen in den großen Themen der Aufrüstung, des Kapitalismus und Teuerung des Lebens nahezu unter. Einige Vermummte verzögern den Start. Dann wird aus den zwei angemeldeten Demonstrationen eine einzige: Gegen 15 Uhr ziehen etwa 2000 bis 2500 Menschen los, vorweg eine Handvoll Polizeiautos, am rechten und linken Rand läuft die Polizei mit. Auffallend ist: Die Polizistinnen und Polizisten sind fast alle so alt, wie die jungen Frauen und Männer, die in der Weseler Werft starten.

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Berlin und seine drei Polit-Dramen

Screenshot aus der Live-Übertragung des Parteitages der Berliner Linken am 31. Oktober 2026 im Dong-Xuan-Haus

Die Verhandlungen über eine linksgeführte Regierung in der deutschen Hauptstadt sind selbstverständlich — zumal es ebenso richtig wie ehrgeizig auch um Vergesellschaftungen geht — ein rücksichtslos geführter politischer Machtkampf, wie früh Die Linke gestoppt oder wenigstens entscheidend geschwächt werden kann. Hans-Jürgen Arlt macht aufmerksam, dass alle, die diesen politischen Kampf lesen, sich von den vielen Aspekten, denjenigen herauspicken, der ihnen gerade in den Kram passt. Arlt pickt sich zusammen mit Daniel Bax den Aspekt der hyperventilierenden, maßlos übertreibenden und von den eigenen Aufmerksamkeits-Geschäften geleiteten Medien heraus. Diese Deutung ist nicht falsch, aber verglichen mit anderen Aspekten unbedeutend.

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Ein schier unaufhaltsamer Abstieg der deutschen „Sozis“

Screenshot: Website ntv

Vor 43 Jahren hat der Soziologe Ralf Dahrendorf ein viel gelesenes und noch mehr diskutiertes Buch veröffentlicht. Es hieß: „Die Chancen der Krise, über die Zukunft des Liberalismus.“ Er bescheinigte darin unter anderem der Sozialdemokratie, sehr erfolgreich gewesen zu sein; und deswegen ihren Zenit überschritten zu haben. Ihre Zeit gehe allmählich vorüber. Im Verlauf dieser Jahre hat sich eine nicht enden wollende Diskussion darüber entwickelt, ob Dahrendorf Recht gehabt habe oder nicht. Tatsache ist, dass die Sozialdemokratie einen schier unaufhaltsamen Abstieg hingenommen hat, vielleicht hat  hinnehmen müssen, einschließlich Berlin 2026.

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Friedenauer Randnotiz

Al Capone ,1899-1947 (Foto: Unbekannt auf wikimedia commons)

Unter den furchtlosen Recken, von Eberhard Diepgen über Klaus Wowereit bis Kai Wegener, wagt(e) die Organisierte Kriminalität in Berlin kaum zu atmen. Jetzt atmet sie auf, denn eine mögliche neue Regierende Bürgermeisterin hat Angst vor ihr. Ist die Nachrichtenlage so halbwegs korrekt zusammengefasst? Schwer zu ertragen. Noch schwerer, etwas dazu zu sagen. Sobald der Öffentlichkeit ein nicht inszenierter, nicht frisierter, nicht PR-geschminkter Satz in die Hände fällt, machen sich alle darüber her.
Wer vor Terroristen keine Angst hat, ob sie im Kreml sitzen, in Neukölln Palästina-Thirts tragen oder im Auftrag  der United States Immigration and Customs Enforcement (ICE) unterwegs sind, ist ein Idiot. Elif Eralp ist keine Idiotin. Das hat sie – offenbar leider nur aus Versehen – zu erkennen gegeben. Und der Spiegel hat daraus, natürlich nicht der Auflagenhöhe und der Klickzahlen wegen, sondern um ein öffentliches Informationsinteresse zu befriedigen, eine große Geschichte gemacht.

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Ein Dreiklang aus ökonomischem Fortschritt, Klimaschutz und sozialer Gerechtigkeit ist möglich

Wenn Ökonomen – Frauen sind in den öffentlich wahrgenommenen Wirtschaftswissenschaften noch immer eine kleine Minderheit – sich zur Wirtschafts-,Finanz- und Steuerpolitik äussern, hört man immer wieder die gleichen Formeln: Zu viel Sozialstaat und zu viel Regulierung, zu wenig Wettbewerbsfähigkeit und zu hohe Löhne mit den Beiträgen zu den Sozialversicherungen. Kurz gefasst: Zu viel Staat, zu wenig Markt. Das Besondere an dieser Kritik ist ihre Zeitlosigkeit. Vom Lambsdorff-Papier aus dem Jahr 1982 über Lindners „Wirtschaftswende“-Papier vom November 2024 bis hin zu Kanzler Merz´ Klagen über zu wenig Arbeitsbereitschaft und zu geringe Arbeitsleistung: Immer wieder lassen sich politisch Verantwortliche von Ökonomen die gleiche Litanei aufschreiben, veröffentlichen sie unter eigenem Namen und lassen sich dann medial von ihren ghost-writern belobigen. Auch eine Form von Insider-Geschäften. Nur wenige Ökonomen, auch Ökonominnen, tanzen aus der Reihe. Tom Krebs gehört dazu

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Deprimierend, wie eine kleine, unvorstellbar reiche Truppe die Politik kauft

Screenshot: Instagram

„Es ist ein Drama, live zu beobachten, wie schnell und radikal der Entdemokratisierungsprozess in der Trump-Präsidentschaft vonstatten geht.“ Die älteste Demokratie werde nach und nach von Plutokraten übernommen. „Es ist deprimierend, wenn eine kleine Truppe mit unvorstellbar hohem Reichtum die Politik kaufen kann. Und dennoch: es gibt Gegenwind, und es gibt die Selbstwidersprüche des Trump-Projekts, die sich beide im Moment verbinden, und das gibt Hoffnung“, sagt Kurt Huebner,  Professor für europäische Integration und internationale politische Ökonomie im kanadischen Vancouver, mit Blick auf die Midterms im bruchstücke-Interview mit Wolfgang Storz.
Trumps Strategie, neuen Technologien keine Hindernisse in den Weg zu legen, sei sein Erfolgsrezept. „Die enormen Investitionen in den KI-Sektor sind der bei weitem wichtigste Wachstumstreiber und haben die Spitzenstellung der USA bei Innovationen weiter gefestigt.“ Was heute gut aussehe, könne allerdings morgen schlecht enden.

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Mein Land sind meine Werte, es ist ein schönes Land für Schmetterlinge

Am 27. Oktober 2026 werden in Israel die 120 Abgeordneten der Knesset neu gewählt. Die Wahl findet im langen Schatten des fürchterlichen Terroranschlags der Hamas vom 7. Oktober 2023 statt, angesichts der Kriege im Nahen Osten und des Korruptionsprozesses gegen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Ende Oktober 2023, vor genau drei Jahren, hat Oliver Marquart mit der in Tel Aviv und Berlin lebenden Schriftstellerin Lizzie Doron über den Schock des Hamas-Angriffs, die Ausweglosigkeit des Krieges und zerbrochene Identitäten gesprochen. Im Sonntagsblatt stand in der Titelzeile „Niemand gewinnt einen Krieg„. bruchstücke dokumentiert mit freundlicher Genehmigung das Interview anlässlich der bevorstehenden Wahl.

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„Gewachsen ist die Bewegung erst durch die Antwort des Staates“

Das Video dieses Polizeieinsatzes gegen eine Frau ging am Abend des 24. 10. 2026 viral. (Screenshot: https://x.com/ATmediaa)

Frankreich wird seit Wochen von Protesten und Gewalt in Atem gehalten. Carina Bury, eine Autorin des Verfassungsblogs, hat die Demonstrationen aus nächster Nähe erlebt. Sie ist deutsch-französische Rechtswissenschaftlerin, hat in Hamburg promoviert und unterrichtet an den Universitäten Paris 1 Panthéon-Sorbonne und Paris Nanterre. Maxim Bönnemann hat mit ihr über die laufenden Proteste, die Antwort der Justiz und die Rolle der Polizei in der französischen Gesellschaft gesprochen. bruchstücke dokumentiert das Interview, das unter dem Titel „Polizeigewalt ist in Frankreich tief verankert“ auf dem Verfassungsblog zuert erschien.

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Kursstürze und Proteste – KI-Geschäfte unter Druck

Screenshot Website Finanzmarktwelt

Auf den Hype um die Künstliche Intelligenz (KI) folgt momentan die Ernüchterung, gar eine Korrektur. In mehreren Ländern nimmt der Widerstand gegen Rechenzentren zu. Und an den Börsen befinden sich Aktien, die am KI-Geschäft hängen, im Niedergang. „KI-Crash: Hedgefonds flüchten im Eiltempo, Privatanleger kaufen“, „Anleger fliehen aus KI-Aktien“ lauten aktuelle Überschriften.

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Fun, Profit und Ego

Screenshot: Luc Auffret auf  Tiktok

Sie bereiten sich vor, sie sind ausgerüstet: Schwarze Kapuzenjacke, schwarze Sporthose, Sneakers, schwarzer Rucksack. In der Hand ein Smartphone. So ziehen sie los, um Fensterscheiben einzuschlagen und zu plündern, während zehntausende von Schülerinnen und Schülern, von Studenten und Studentinnen, von Menschen mit gelben Warnwesten durch die Boulevards von Paris, Lyon, Bordeaux oder Marseille ziehen: weitgehend friedlich, bis die ersten Feuerwerkskörper fliegen und die martialisch ausgerüstete Polizei mit Tränengas und Wasserwerfern aufmarschiert. Für die jungen Männer in Schwarz sind es die Signale, um die Boulevards zu stürmen.

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